02 Feb

Wacholder

geschrieben von Maren Ziegler

Von April bis August blüht der immergrüne Wacholder, der in ganz Europa heimisch ist. Dieses säulenförmige Nadelgewächs kann bis zu 12 m hochwachsen. Der lichtbedürftige Wacholder ist in Kiefernwäldern, an Hängen und in Heidelandschaften zu Hause. Er war einer der ersten Bäume, die in die kargen Tundren nach der letzten Eiszeit zurückkehrte.

Wacholder steht unter Naturschutz und es ist verboten die Wacholderzweige oder deren Spitzen zu brechen. Die Beeren dürfen aber gesammelt werden.

„Vor dem Holunder soll man den Hut abnehmen, vor einem Wacholder aber muss man in die Knie gehen.“ So sagt ein altes deutsches Sprichwort. 

Wacholder, gemeiner (Juniperus communis) 

ZYPRESSENGEWÄCHS

Der Wacholder ist eine regelrechte Baumapotheke. Besonders die Beeren des Wacholders spielen seit langem eine wichtige Rolle in der Heilkunst. Sie wirken wassertreibend, desinfizierend, wärmend, stoffwechselanregend, blähungswidrig, durchblutungsfördernd, schweißtreibend, harntreibend und fiebersenkend.

Ebenfalls sehr wirksam sind Wacholderfrüchte bei Erkrankungen der Lunge. Abwehrsteigernd und keimtötend bei Bronchitis, Grippe und Erkältung wirken sie, wenn einige Beeren gekaut oder das ätherische Öl inhaliert wird. Dafür werden 1-2 Tropfen in heißes Wasser gegeben und eingeatmet.

blog wacholder 02Innerlich angewendet, in Form von Tee, Tinktur oder roh gegessen, helfen die Beeren auch bei Wassersucht, bei Gicht und Rheuma, Arthrose, bei Nieren- und Blasenentzündungen, bei Appetitlosigkeit, bei Verdauungsstörungen, bei Husten und Erkältungskrankheiten, bei Hautkrankheiten und bei Nervenschwächen. Für die Teebereitung wird ein TL angequetschte Wacholderbeeren mit einem viertel Liter Wasser aufgekocht und 10 Minuten zugedeckt ziehen gelassen, danach abseihen. Höchstens 4 Wochen lang werden 1 - 2 Tassen täglich getrunken. Die nachfolgend beschriebene Kur unterstützt besonders bei Magenleiden, bei Rheuma und Gicht, bei der Blutreinigung und stärkt das Immunsystem: Sie beginnen mit der Einnahme einer Wacholderbeere am ersten Tag und steigern die Menge um eine Beere täglich bis zum 15. Tag; an diesem Tag essen Sie folglich 15 Beeren. Anschließend reduzieren Sie die Menge wieder täglich um eine Beere. Nach 30 Tagen ist die Kur beendet.

Für Inhalationen, als Bad oder als Einreibe- und Massageöl eignet sich das ätherische Öl hervorragend. Dafür werden jeweils 1 - 2 Tropfen des Wacholderöls in heißes Wasser oder in das Trägeröl gegeben.

Wacholder gehörte in alten Zeiten zu den 3 mächtigen Pflanzen des Nordens, alle Krankheiten wurden mit Wacholder, Holunder und Angelika behandelt.

Schon früher galt der Wacholder als Universalmittel und wurde sogar gegen Pest eingesetzt. Angeblich pfiffen es die Vögel zu Pestzeiten von den Dächern: „Esst Kranewitt (Wacholder) und Bibernell, dann sterbts nit so schnell.“ Kranewitt wurde der Wacholder nach einem Vogel benannt, der gern die Beeren nascht.

Man tauchte Wacholderöl in Edelsteine und zog damit Zauberkreise um das Krankenbett eines Patienten. Becher aus Wacholderholz sollten anzeigen, ob ein Essen gesund, verdorben oder sogar vergiftet war. Und Milch wurde mit einem Stab aus Wacholderholz oder auch nur mit einem Wacholderzweig berührt, um Verhexungen der Milch zu entkräften. Um einen Raum oder eine Krankenstube zu reinigen und zu schützen, wurden frische oder getrocknete Wacholderzweige und -Beeren geräuchert. Der Duft des Wacholders sollte innere Sicherheit und Ruhe schenken und Konzentration auf das Wesentliche vermitteln. Ängste und Unsicherheiten konnten so schwinden.

blog wacholder 03Symbol für die transzendente Welt zwischen Leben und Tod

Schon bei den alten Griechen war der Wacholder Hekate, der Göttin der Unterwelt, gewidmet.
Hierzulande wurden Wacholderbüsche als immergrüner Hüter der Schwelle zwischen Leben und Tod häufig an Gräber gepflanzt. Es wurde geglaubt, dass die Seelen sich während der Übergangszeit im Wacholderbaum aufhielten. Aus den altdeutschen Namen Weckholder und Queckholder entwickelte sich später der Name „Wacholder“. Sterbenden wurden also mit dem Wacholder eine Rückkehr ins Leben in Aussicht gestellt. Im Märchen „Von dem Machandelbaum“ kommt dieser Sinn noch deutlich zum Ausdruck. Bis ins 20. Jhd. hinein haben sich alte Bräuche rund um den Wacholder erhalten. Auf der Insel Rügen wurde zum Beispiel beim Hausbau ein „Knirk“ (Wacholderast) ins Fundament gesteckt, damit der Teufel draußen bleibe. Rührstecken zur Butterherstellung waren aus Wacholderholz geschnitzt, damit die Milch nicht verhext wurde.

Aus dem Wacholderholz wurden feine Drechslerarbeiten, Peitschenstiele und knorrige Spazierstöcke gefertigt – Volksnamen wie „Knirk“ oder „Steckholder“ erinnern daran.
Es hieß auch, Wacholder bringe die Wahrheit ans Licht; deshalb wurden Richtstäbe aus Wacholderholz geschnitzt.

In den skandinavischen Ländern und Norddeutschland werden noch heute Trink- und Essgeschirr, Löffel und Holzschuhe aus Wacholderholz hergestellt. Das Holz duftet wundervoll noch lange nach der Herstellung.

Die Indianer Nordamerikas lösten die innere Rinde des Wacholders heraus und kauten sie in Notzeiten als vitamin- und mineralsalzhaltige Speise.

Heutzutage wird Wacholder vor allem in der Küche verwendet: Wacholderbeeren werden als Gewürz bei Sauerkraut und Fleischgerichten zugegeben. Seltener wird aus gequetschten Beeren mit Zucker ein Mus oder eine Marmelade hergestellt. Und nicht zuletzt ist Wacholder die wichtigste Zutat für Spirituosen wie Gin, Genever oder Wacholderschnaps (z. B. Steinhäger).

Rezept: „Walcholder-Honig“ zur Unterstützung bei Bronchial-Asthma


30 g Wacholderbeeren in
1 Liter Wasser kochen dazu
150 g Honig und
3 EL Weinessig und
10 g Süßholzwurzelpulver und
20 g Ingwerwurzelpulver und alles aufkochen und abseihen

Bei Beschwerden 3 x täglich ein Likörglas trinken. Das Kauen der Wacholderbeeren lässt nicht nur Mundgeruch verschwinden, sondern schützt auch wirksam vor Ansteckung während der Grippezeiten.

Achtung: Wacholderbeeren können die Nieren reizen. Bei Schwangerschaft oder Nierenkrankheiten sollte auf Wacholderbeeren ganz verzichtet werden! 

 

Eine gesunde Winterzeit wünsche ich Ihnen und freue mich, wenn Sie bei der nächsten Pflanze auch wieder dabei sein werden.

Ihre Maren Ziegler (Heilpraktikerin & Kräuterfrau)

 

Wacholder @uroburos auf https://pixabay.com
Wacholder @MAKY_OREL auf https://pixabay.com