18 Dez

Die Wegwarte

geschrieben von Maren Ziegler

Die Wegwarte trifft man häufig an Weg- und Straßenrändern sowie auf Schuttplätzen an. Ihr 30 – 140 cm hohe Stängel ist hohl und wenig behaart. Der sparrig verzweigte obere Teil hat wenig Blätter, die unteren Blätter sind grob gezähnt. Aufgrund ihrer löwenzahnähnlichen Blätter und der milchhaltigen Pfahlwurzel glaubte man einst, sie sei ein Verwandter des Löwenzahns.

Von Juli bis in den Oktober blühen ihre strahlend blauen (seltener weißen) Zungenblüten. Die Blüten öffnen sich an sonnigen Tagen frühmorgens und verwelken bereits am frühen Nachmittag.

Die Wegwarte hat viele Volksnamen, z. B. Blaue Distel, Hanselbeimweg, Endivie (von intybus abgeleitet), Faule Grete, Sonnenbraut, Sonnenwirbel, Verfluchte Jungfer, Zigeunerblume und Rauher Heinrich. 

„Die Wegwarte (Cichorium intybus)“

Volksmedizin

In den Wurzeln speichert die Wegwarte Inulin und Bitterstoffe (u. a. Intybin). Sie wird geerntet, sobald die Blätter zu vergilben beginnen. Die Stoffe wirken galleanregend, harntreibend, blutreinigend, abführend, magenstärkend, kräftigend, verdauungsfördernd und sie binden Schwermetalle.

Tee aus der Wurzel oder dem blühenden Kraut hilft gegen Blähungen und Völlegefühl. Als Teekur über 4 Wochen getrunken wird er gegen Leber- und Galleleiden, bei Verdauungsschwäche, zur Blutreinigung und zur allgemeinen Kräftigung eingesetzt. Äußerlich wirkt der Saft von Kraut und Wurzel gegen Ekzeme.

Der hohe Inulingehalt der Pflanze macht die Wegwarte für Diabetiker sehr verträglich. Als Gemüse verarbeitet eignet sich die Wurzel hervorragend für Zuckerkranke, denn dadurch kann sogar der Blutzuckerspiegel gesenkt werden.

Seit dem 18. Jhdt. nutzten unsere Vorfahren in schlechten Zeiten die Wegwartenwurzel als Notgemüse und als Kaffee-Ersatz. Vielen ist der Kaffee unter dem Namen Zichorienkaffee (Muckefuck) oder Kaffeekraut bekannt.

In der Küche können junge, frische Blätter roh als Salat oder gekocht als Wildgemüse serviert werden. Köstlich ist auch eine Wegwartensuppe. Dafür werden die geputzten Blätter eine ¾ Std. in gewürzter Brühe gekocht. Die Wurzel kann in Saucen verkocht werden.

Die Wegwarte hat Verwandte wie Chicorée, Radicchio und Zuckerhutsalat, die aus ihr gezüchtet wurden.

Da sich die blauen Wegwartenblüten um die Mittagszeit schließen, entstand die folgende Legende: Eine blauäugige Prinzessin verliebte sich einst in einen schönen Ritter, der für einen Kreuzzug nach Jerusalem reiten musste. Jeden Morgen glaubte sie von neuem daran, dass er wieder zu ihr zurückkäme. Voller Trauer wartete die Prinzessin mit ihren Kammerzofen vor dem Stadttor auf ihn und schaute gen Osten – bis der Himmel die Frauen in Wegwarten verwandelte, damit sie jeden Morgen am Wegesrand nach Osten blicken und Ausschau halten konnten. Dort stehen sie noch heute, drehen sich mit dem Lauf der Sonne und lassen am Nachmittag enttäuscht ihre Köpfchen hängen.

Im 17 Jhdt. wurde daran geglaubt, dass Wegwarte Giften widerstehen und Wunden heilen könne, weil verletzte Tiere ihre Wunden immer wieder an dieser Pflanze rieben. So wurde die Pflanze bei Vergiftungen und gegen Augenleiden eingesetzt.

Im 18. Jhdt. war die Pflanze auf Empfehlung des schwedischen Forschers Carl von Linné gegen so unterschiedliche Leiden wie Melancholie, Hypochondrie, Schwindsucht, Hämorrhoiden und Podagra in Gebrauch. Sie wurde deshalb in die Pharmakopöen aufgenommen.

Bei den Germanen war sie als Wunderblume bekannt, der vielerlei Zauberkräfte nachgesagt wurden. Sie sollte vor Übel bewahren, Fesseln sprengen, Kugeln abweisen, Dornen und Nadeln aus Wunden entfernen und sogar einer Tarnkappe gleich unsichtbar machen. Als zauberkräftig galt aber nur die weißblühende Wegwarte, wie sie in der Natur sehr selten vorkommt. Wer die Wurzel mit einem Hirschgeweih stillschweigend am St. Peter und Paul (29. Juni) ausgrub, sollte die Liebe der Personen erlangen, die man damit berührte. Wer sie am Jakobitag (25. Juli) mit einem Geldstück ausgrub und bei sich trug, wurde stich- und hiebfest und erhielt die Gabe, sich unsichtbar zu machen.

Seelen- und Augenheilmittel

Die Kraft der blauen Blumen, die die Seele heilen können. Die nordamerikanischen Indianer sagen „Der Weg des Herzens und der Seele ist blau wie eine blaue Blume.“ In der alten europäischen Heilkunde wurden blaue Blumen zur Heilung von Schwermut und Melancholie verwendet. Sie galten als Heilmittel für die Augen, die als tiefster Spiegel der Seele gelten. Neben der Wegwarte zählen zu den blauen Blumen auch die Akelei, Borretsch, Verbena, Kornblume und Veilchen.

Dr. Edward Bach schreibt der Wegwarte, Chicory, folgende Eigenschaften zu: Chicory hilft Menschen, mit einer besitzergreifenden Persönlichkeitshaltung fertigzuwerden und diese negativen Aspekte in wahre selbstlose Liebe umzuwandeln.

Chicory ist für Menschen, die sich viel Sorgen machen und die das Gefühl haben, ihre Angelegenheiten ständig korrigieren und verbessern zu müssen. Sie stärkt die Gelassenheit und die Fähigkeit, Dinge so anzunehmen, wie sie sind.

Sich selbst treu bleiben

Die Wegwarte hilft uns, den eigenen Weg zu gehen, ihm treu zu bleiben, im Hier und Jetzt zu sein und nicht in der Vergangenheit oder der Zukunft zu schwelgen.

Rezept Wegwartensirup

1 Teil frisch gepflückte Blüten in einem Mörser zerstoßen und 3 Teile Zucker dazu geben. Alles miteinander vermischen und in einem Glasgefäß in die Sonne stellen. Den entstandenen Honig löffelweise bei Stoffwechselstörungen, Leber- oder Gallebeschwerden einnehmen.

Rezept Zichorienkaffee

Die Wurzel der Wegwarte in kleine Stücke schneiden und im Backofen trocknen. Anschließend in der Kaffeemühle fein mahlen. Das Pulver mit heißem Wasser aufbrühen. Auf eine Tasse heißes Wasser kommt ein TL Kraut.

Achtung: Allergiker können auf Korbblütler überempfindlich reagieren. Bitte vorsichtig ausprobieren!

 

Eine schöne Zeit wünsche ich Ihnen und freue mich, wenn Sie bei den Winterkräutern wieder dabei sein werden. 

Ihre Maren Ziegler (Heilpraktikerin & Kräuterfrau)