24 Nov

Die Goldrute

geschrieben von Maren Ziegler

Bei den Germanen zählte die Goldrute zu einem der besten Wundheilkräuter. In alten Kräuterbüchern aus dem 17. Jahrhundert heißt sie daher noch „Heydnisch Wundkraut“. Bis heute hat sich die Anwendung der Goldrute als Wundheilmittel erhalten. Den Namen „Heftkraut“ erhielt sie, weil sie Wunden zusammenheften kann.

Der lateinische Name Solidago leitet sich von solidum agere ab, was so viel heißt wie: Das in der Verwundung Getrennte wieder fest zusammenfügen. Später wurde sie als „Pastorenblume“ bezeichnet, da sie auch in Pfarrgärten oft angepflanzt wurde. Rund um das heutige Dresden war sie als „Schnupfengold“ bekannt, da ihr Blütenstaub für Nasenschleimhautreizungen verantwortlich gemacht wurde. Wegen ihrer goldfarbenen Blüten erhielt sie Namen wie Goldwundkraut, Goldähre und Goldleiter.

„Die Goldrute“

Goldrute Solidago canadensis – Kanadische
Goldrute Solidago virgaurea – Echte Goldrute

blog-goldrute 02Pflanzengold für Haut und Nieren

Erst im vorigen Jahrhundert machte der Arzt Rademacher auf die große Bedeutung der Goldrute auch als Nierenheilmittel aufmerksam; bis zur heutigen Zeit schätzt die moderne Naturheilkunde sie als eines ihrer besten Nierenmittel.
Goldrute ist auch eine der Diuretika (Entwässerungsmittel). Eine Förderung der Harnausscheidung ist z. B. bei Ödemen zur Durchspülung der Blase, Niere und Harnröhre wichtig, wirkt bei beginnender Entzündung vorbeugend und ist hilfreich bei einer Reizblase, bei Stoffwechselerkrankungen wie Rheuma, Gicht, Hautkrankheiten sowie während einer Reinigungs- oder Abmagerungskur, um die Giftstoffe auszuschwemmen.

Die Goldrutenstauden wachsen gerne an sonnigen, trockenen, sandigen Standorten wie Ufergebieten, Waldlichtungen, Wiesen und Bahndämmen. Sie können bis in den November hinein blühen. Die goldgelben Korbblüten erinnern an kleine strahlende Sonnen. Sie duften süßlich und aromatisch und werden gern von zahlreichen Bienen, Schmetterlingen und weiteren Insekten besucht. Der Stängel der kanadischen Goldrute wächst bis zu 2 Meter hoch, die echte Goldrute hat eine Wuchshöhe bis zu 1,1 Meter.

Die Medizinleute vieler Stämme in Kanada und Amerika verwende(te)n nahezu alle hundert Goldrutenarten, die in Nordamerika wachsen. Sie nutz(te)n die Pflanze für ganz verschiedene Krankheiten. Bei Insektenstichen legten sie beispielsweise die zerstampften Blüten und Blätter auf. Bei Schlangenbissen legten die Ojibwa Goldrute auf die Wunde. Bei Halsschmerzen kauen die Zuni aus Neumexiko die Blüten und zerriebene, getrocknete Blätter dienten als Wundpulver, auch für ihre Pferde. Ein Tee aus der Goldrutenwurzel wurde bei Halsschmerzen getrunken. Aber auch für andere Zwecke wurde Goldrute verwendet: So wurde beispielsweise vor der Rehjagd mit dem Kraut geräuchert, um auf der Jagd nicht von den Tieren gewittert zu werden.

In der Heilkunde

In der Heilkunde wirkt die Goldrute harntreibend, ödemhemmend, entzündungswidrig, steinbrechend, mild krampflösend, krebsfeindlich (canadensis), pilzwidrig (virgaurea), schmerzlindernd (virgaurea), schleimhautabschwellend, vorbeugend gegen Strahlenschäden.

Aus dem oberen Drittel der blühenden Pflanze wird Tee oder Tinktur hergestellt. Eine Kur damit unterstützt bei Entzündungen der ableitenden Harnwege, Nieren- und Blasensteine, Reizblase, Stoffwechselerkrankungen (Rheuma, Gicht, Hautkrankheiten), Wassersucht, Ohrenkatarrh, Halsweh, chronischem Schnupfen, Heuschnupfen und während Reinigungs- und Abmagerungskuren. Auch als Gurgelmittel bei Halsentzündungen ist Goldrute wirksam.

Mit einer Teekur können Hautirritationen durch Laserbehandlung oder Hautentzündung durch Bestrahlung wegen Krebs gelindert werden. Eine Auflage mit dem Absud der gekochten Blätter hilft bei Wunden, Verstauchungen und Prellungen.

Bei Pilzbefall der Haut, wie z. B. Analekzem oder Scheidenpilz, haben sich Sitzbäder mit Goldrute (virgaurea) bewährt.

Folgende Kräutermischung für Tee/Tinktur hat sich bei Blasenbeschwerden bewährt: Goldrute, Birkenblätter, Ackerschachtelhalm, Bärentraubenblätter und Brennnesselblätter zu gleichen Teilen mischen.

Goldrutenwein: Glas zur Hälfte mit frischen zerschnittenen Goldruten-Blütenständen füllen. Mit einem Liter guten Weißwein aufgießen, verschließen und 2-3 Wochen an einem dunklen, nicht zu kühlen Ort ziehen lassen. Abseihen. Täglich 1 Likörgläschen zur Kur.

In der chinesischen Volksmedizin gebraucht man die dort einheimischen Goldrutenarten seit langem zur Behandlung von Fußpilz.

Beziehungsfähigkeit

Nierenfunktionsstörungen können der physische Ausdruck einer gestörten Beziehungsfähigkeit sein, einem Ungleichgewicht im emotionalen Geben und Nehmen. Die Goldrute ermöglicht uns, diese Problematik wahrzunehmen. Sie verbindet, was getrennt wurde, heilt physische Wunden und bietet emotionale Unterstützung auf psychischer Ebene. Ihr Wesen unterstützt uns darin, innige Beziehungen und echte Freundschaften zu führen. Es geht um Verbindung, Liebe, Ergänzung und Fließen-lassen.

Als Tee oder Tinktur kann die Goldrute bei Neid, Ängstlichkeit, Beziehungsproblemen und Essstörungen eingesetzt werden.

Vorsicht bei Allergie auf Korbblütler!
Bei Ödemen in Folge eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit oder bei chronischer Nierenentzündung nicht innerlich anwenden.

Gern empfehle ich die Goldmedizin auch bei Erschöpfung, besonders wenn sich der Nierenbereich im Rücken kühl anfühlt und die Füße kalt sind. Bevor Sie also zum/r „Sockenschläfer/in“ werden, probieren Sie mal eine 3-wöchige Kur mit täglich 2 -3 Tassen Tee. Wenn Sie es sich beim Teetrinken noch mit einer Wärmflasche im Rücken gemütlich machen, dankt es Ihnen Ihr Körper.

 

Eine goldene Herbstzeit wünsche ich Ihnen und freue mich, wenn Sie beim nächsten Kraut, der Wegwarte, auch wieder dabei sein werden. 

Ihre Maren Ziegler (Heilpraktikerin & Kräuterfrau)